Schematherapie
In meiner therapeutischen Arbeit setze ich Elemente der Schematherapie ein. Diese Therapieform hat sich besonders bei tief sitzenden, in vielen Lebenssituationen hinderlichen Mustern des Denkens, Fühlens und Verhaltens bewährt.
Grundbegriffe
Schema
Ein Schema (Plural: Schemata) ist eine mentale Struktur, ein Muster, ein Konzept. Alle Erfahrungen, die wir im Verlauf unseres Leben machen, verarbeitet unser Gehirn zu Schemata.
Ein einfaches Beispiel: Wir alle haben ein Schema in Bezug auf das Thema "Schnellrestaurant". Es beinhaltet beispielsweise, was es in einem Schnellrestaurant zu essen gibt, wie man sich dort verhält, wie die Abläufe sind. Niemand erwartet in einem Schnellrestaurant, einen Platz zugewiesen zu bekommen und am Tisch bedient zu werden. Würde dies doch passieren, wären wir erst einmal irritiert. Ein "Schnellrestaurant-Schema" beinhaltet auch, welche Gefühle wir mit dem Besuch eines Schnellrestaurants verbinden - aufgrund der Erfahrungen, die wir im Lauf unseres Lebens damit gemacht haben.
Schemata in der Schematherapie
In der Schematherapie geht es um viel umfassendere Schemata, die beinhalten, wie wir uns selbst, andere Menschen, zwischenmenschliche Beziehungen, das Leben und die Welt an sich sehen. Also um unsere Grundannahmen.
Diese Grundannahmen sind durch Erfahrungen entstanden, die stark mit Gefühlen verknüpft waren. Denn Gefühle zeigen uns, was für unser Leben relevant ist - was uns gut tut und was wir eher meiden sollten. Schemata enthalten daher auch Strategien darüber, wie wir uns in bestimmten Situation am besten verhalten, um angenehme Gefühle zu erleben und uns vor unangenehmen Gefühlen zu schützen.
Schema = Grundannahmen + Gefühle + Verhaltensstrategien
Psychische Grundbedürfnisse
In der Psychotherapie geht man davon aus, dass vor allem die Erfahrungen, die wir in unserer Kindheit und Jugend mit unseren psychischen Grundbedürfnissen machen, für die Entstehung unserer Schemata relevant sind. Psychische Grundbedürfnisse spielen für unserere psychische Gesundheit die gleiche Rolle wie körperliche Grundbedürfnisse für unsere körperliche Gesundheit.
Nach Klaus Grawe gibt es vier Grundbedürfnisse:
- Selbstwert
- Bindung
- Orientierung und Kontrolle
- Lustgewinn und Unlustvermeidung
Grundbedürfnisse und Lebensgeschichte
Als Kind sind wir zur Erfüllung unserer Grundbedürfnisse auf andere angewiesen: auf unsere Bezugspersonen (meistens unsere Eltern), später auch auf andere Personen und generell auf eine Umwelt, die unseren Grundbedürfnissen zuträglich ist. Mit zunehmendem Alter lernen wir nach und nach, wie wir mit Frustrationen der Grundbedürfnisse, die im Leben unvermeidbar sind, gut umgehen. Als Erwachsene können – und müssen – wir dann selbst für die Erfüllung unserer Bedürfnisse sorgen.
Aus verschiedenen Gründen kann es sein, dass dieser Prozess nicht reibungslos abläuft. Wenn Kinder oder Jugendliche z.B. zu früh oder zu intensiv mit Frustrationen oder Verletzungen eines der Grundbedürfnisse konfrontiert wurden. Oder wenn sie nicht genügend Anleitung erhalten haben, mit normalen Frustrationen von Grundbedürfnissen umzugehen. Etwa, weil ihre Bezugspersonen selbst Schwierigkeiten damit hatten. Oder wenn sie in einem Umfeld groß geworden sind, in dem sie zu lang vor der Frustration von Grundbedürfnissen bewahrt wurden.
Dann prägen sich bei Kindern und Jugendlichen verzerrte Grundannahmen über die Erfüllbarkeit von Grundbedürfnissen ein, sowie über sich selbst, über menschliche Beziehungen, über die Welt an sich. Sie eignen sich Strategien an, die ihnen helfen, unter den ungünstigen Bedingungen besser zurecht zu kommen.
Diese Prägungen wirken sich im Erwachsenenalter häufig ungünstig aus, weil die Strategien, die früher einmal geholfen haben, unter den veränderten Bedingungen nicht mehr funktionieren. Es fehlt oft an hilfreichen Strategien im Umgang mit den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen.
Funktionale und dysfunktionale Schemata
Wenn in unserer Kindheit und Jugend ein Grundbedürfnis meistens ausreichend erfüllt worden ist, verinnerlichen wir diese Erfahrungen und gelangen zu der Grundüberzeugung, dass im Großen und Ganzen die Erfüllung dieses Bedürfnisses gesichert ist, selbst wenn es zeitweise frustriert wird. Wir wissen und spüren z.B.:
„Ich bin ok.“ (Selbstwert)
„ich bin mit anderen verbunden.“ (Bindung)
„ich bin sicher, ich finde mich zurecht.“ (Orientierung)
„ich kann selbst etwas tun.“ (Kontrolle)
„ich kann für mein Wohlbefinden sorgen und auch Unwohlsein aushalten.“ (Lustgewinn)
Durch solche inneren Überzeugungen wird unser psychisches Wohlergehen unabhängiger von belastenden äußeren Ereignissen. Wir fühlen uns wertvoll, verbunden, zuversichtlich, kompetent, haben Freude.
Wir haben außerdem gelernt, so auf unsere Umwelt einzuwirken, dass sich unsere Bedürfnisse möglichst erfüllen.
Dieses Muster aus Grundannahmen, Gefühlen und Verhalten nennt man ein funktionales Schema. Funktional deshalb, weil es funktioniert, um unser Ziel – die Erfüllung unserer Bedürfnisse – zu erreichen.
Dysfunktionale / Maladaptive Schemata
Wenn aber in der Kindheit und Jugend eines unserer Grundbedürfnisse zu wenig erfüllt oder sogar verletzt worden ist, verinnerlichen wir diese Erfahrungen ebenso. Von dem, was wir erlebt haben, schließen wir Rückschlüsse auf uns selbst, auf andere, auf die Welt. Z.B.:
„Ich bin nicht ok.“ (Selbstwert)
„ich bin allein.“ (Bindung)
„ich bin verloren.“ (Orientierung)
„ich bin ohnmächtig.“ (Kontrolle)
„ich kann angenehme Gefühle nicht genießen; ich kann unangenehme Gefühle nicht aushalten“ (Lustgewinn)
Gefühle von Einsamkeit, Scham, Hilflosigkeit, Angst, Niedergeschlagenheit, Ärger wiegen aus dieser verzerrten Perspektive heraus viel schwerer. Daher haben wir als Kinder oder Jugendliche gelernt, uns vor solchen Gefühlen zu schützen. Zum Beispiel, indem wir bestimmte Situationen vermeiden. Diese Strategien waren früher hilfreich, helfen aber heute meistens nur kurzfristig und schaden langfristig eher. Ein solches Muster aus Grundannahmen, Gefühlen und Verhalten nennt man ein dysfunktionales Schema.
Veränderung der Schemata durch Psychotherapie
Sie können Erfahrungen, die Ihnen in der Kindheit gefehlt haben, nachholen.
In der Therapie arbeiten Sie daran, dysfunktionale Schemata abschwächen und funktionale Schemata zu stärken. Denn jeder Mensch hat auch funktionale Schemata.
Sie machen in der Therapie und außerhalb der Therapie neue Erfahrungen, durch die Sie Ihre Grundannahmen korrigieren können.
Sie lernen, mit Gefühlen anders umzugehen und probieren neue Bewältigungsstrategien aus.
Langfristig kann das dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten oder eine Verschlechterung Ihrer psychischen Probleme zu reduzieren.
in Bearbeitung